Geschichte
Burg
Karlsberg wurde auf dem nordwestlichen Ausläufer des Berges
Ždánov ausgebaut, auf einem 300 m langen ovalen Grundriss.
Vom Gesichtspunkt der Verteidigung war der
größte
Vorteil dieser Burg ihre Lage, denn das Terrain geht auf beiden
längeren Seiten sehr steil nach unten.
Burg Karlsberg wurde im Jahre 1356 vom böhmischen König und römischen Kaiser Karl IV. gegründet. Die Gründe zum Bau einer solchen Wachburg waren gleich drei. In der ersten Reihe war nötig die Verteidigung der Landesgrenze mit benachbartem Bayern zu besorgen. Der zweite Grund war das Bestreben des Königs das goldführende Gebiet um Kašperské Hory zu schützen. Zuletzt hielt Karl IV. für nötig, die Sicherheit auf dem neu errichteten Handelsweg namens „Goldener Steig“ zu sichern. Dieser Steig verband Böhmen mit Bayern und weiter mit entwickelten Gebieten Westeuropas. Ein Zweig dieses Weges führte durch Kašperské Hory (Berg Reichenstein).
Die
architektonische Disposition des Burgkerns stellt einen rechteckigen
Palast vor, der mit den Wohntürmen eine Ganzheit bildet. So
entstandener Burgkern berührt die Umkreisbefestigung der
Innenburg nicht. Die Stirnseiten der beiden 30 m hohen Türme,
die durch eventuelles Beschießen
von damaligen Schleuderwaffen bedroht werden konnten, haben keine
Öffnungen (außer
dem Erker am Westturm).
Obwohl Karlsberg das Statut der Königsburg hatte, wurde sie nicht direkt von der Königskammer verwaltet. Der König vermietete sie den sog. Pfandbesitzern, meistens den bedeutungsvollen Gläubigern des Königs, natürlich auch mit der ganzen Karlsberger Herrschaft. Die Burg war Sitz der Hinrichtung, das heißt, dass jedem Herrn auf Karlsberg das Recht und die Pflicht gehörte, für die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu sorgen, genauso wie die Schuldigen im Kreis Prácheň (südwestböhmisches Gebiet) zu verfolgen.
Der erste Pfandbesitzer von dieser Burg war der zweite Erzbischof von Prag und der erste böhmische Kardinal Jan Očko von Vlašim. Zwischen den Jahren 1411 – 1454 war die Burg in Haltung des Geschlechts Zmrzlík von Svojšín und Orlík. Petr Zmrzlík, Königsmünzmeister, und sein gleichnamiger Sohn gehörten zu den Anhängern des Kelchs (der Hussiten), deshalb vermied Karlsberg die Drohung der verheerenden Hussitenangriffe. Im Gegenteil – der jüngere Petr Zmrzlík unternahm aus der Burg die Raubstreifzüge ins Gebiet des benachbarten katholischen Bayerns. Übrigens nicht einmal in ihrer nächsten Geschichte wurde diese Böhmerwaldsburg erobert.
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ging Burg Karlsberg in Haltung des bedeutungsvollen Geschlechts Šternberger über. Als im Jahre 1465 Zdeněk von Šternberg eine Widerstandsgruppe organisierte, die sich um Absetzung von Jiří von Poděbrady vom böhmischen Thron bemühte, wurde in diesen Aufruhr auch Karlsberg verwickelt. Die Besatzung bereitete sich deshalb auf die Belagerung von Seite der Königsarmee vor. In dieser Zeit wurde wahrscheinlich eilig die kleine Befestigung „Ödes Schlösschen“ gebaut, die 400 m östlich auf einem höher gelegenen Platz liegt. Bis heute blieb von dieser vorgeschobenen Befestigung nur ein Torso. Unter die Besitzer der Burg Karlsberg gehörte auch Vizekanzler und Sekretär des Königs und Kaisers Ferdinand I. – Jiří von Lokšany. Dieser schlesische Ritter hielt die Burg vor der Hälfte des 16. Jahrhunderts und mit seinem entschlossenen Eingriff trug er im Jahre 1547 im Südwestböhmen zur leichten Bewältigung des Versuchs um Ständeaufruhr bei. Am Ende des 16. Jahrhunderts verlor die Burg langsam ihre ursprüngliche Bedeutung, auf ihre regelmäßige Instandhaltung waren keine Mittel mehr, die Burg verfiel. Die Königskammer fing an die Karlsberger Herrschaft auszuverkaufen. Schließlich im Jahre 1616 kaufte die schon verödete Burg Karlsberg die Stadt Kašperské Hory (Berg Reichenstein) ab, die der Burgbesitzer bis heute ist.



